Die geplante

Ueberbauung
 

Eine Überbauung der Kategorie «austauschbar» /

Architektur-Zeitschrift Hochparterre

Hochparterre, Rahel Marti 18.05.2020 / Noch ist das Barell-Gut eine grosse freie Wiese mit Aussicht auf den Thunersee. Nun soll darauf eine Mehrfamilienhaus-Überbauung entstehen, entwickelt und geplant von der Firma Frutiger. Die Lage ist weniger das Problem, das Grundstück liegt mitten im Siedlungsgebiet von Oberhofen und der Hang ist schon stark bebaut.


Das Problem ist mehr die Anlage selbst, eine Überbauung der Kategorie «austauschbar». Ein gutes Dutzend Würfel mit grossen Fenstern, Balkonen und Brüstungen würden in den Hang gestempelt, als ob der flach wie ein Acker sei. Architektonisch nichtssagend und so, dass die ganze Wiese verbraucht würde. Ein Architekturwettbewerb fand selbstverständlich nicht statt, eine Machbarkeitsstudie und ein paar Besprechnungen mussten genügen. Bauliche und atmosphärische Bezüge zur Topografie und zur Umgebung fehlen – die Überbauung wäre ein formaler Fremdkörper, der das bis jetzt einigermassen einheitliche Giebeldachbild massiv stören würde. Auch die Grösse und Dichte wären bedenklich, der Autoverkehr nähme laut Projektgegnern um 300 Fahrten täglich zu. (...)

(Den Bericht in voller Länge können Sie im Hochparterre, Zeitschrift für Architektur und Design, unter folgendem Link nachlesen: https://www.hochparterre.ch/nachrichten/planung-staedtebau/blog/post/detail/widerstand-fuer-das-barell-gut/1589795769/)

Die geplante Überbauung / neue UeO 

 

Das Richtprojekt ist ein möglicher Vorschlag für die Überbauung auf dem Barell-Gut. Wird die "Änderung der UeO" an der Gemeindeversammlung vom 16. November 2020 angenommen, kann der Investor in dieser Dimension bauen. Die umliegenden Gebäude befinden sich fast ausschliesslich in der Zone W1, die geplante Überberbauung in der Zone W2. Also durchgehend mind. ein Stockwerk höher als bisher, zudem breiter, länger und mit Flachdach. Im dörflichen Kontext sind sie ein städtischer Fremdkörper.

Dadurch, dass die Gebäude versetzt angeordnet sind, verschliesst sich der Blick auf die Landschaft. Wir würden praktisch vor einer 12 m hohen Wand stehen. Die "Durchblicke" beziehen sich auf den Ausblick aus den Wohnungen auf die Landschaft aber nicht von der "Landschaft auf die Wohnungen". Für alle Anwohner und den Betrachter aus der Aebnitstrasse verschliesst sich der Ausblick praktisch komplett.

In der Seitenansicht erhalten Sie einen Eindruck der Gebäudehöhen. Die Gebäudehöhen sind in keinen Unterlagen angegeben. Wir hoffen, dass unsere Berechnungen korrekt sind.

Barell-Gut heute /

Berechnungstabelle:

Gebäude A, B, C, D, E, F, G : Geschosszahl vier. Gebäude H: Geschosszahl drei. Nicht erwähnt sind hier die Aufbauten für Sonnenschutz, Sonnenkollektoren, Fotovoltaik - Anlagen etc. Im Baubereich Länge Breite Höhe Flachdachkotenhöhe


Gebäude / Länge / Breite / Höhe Flachdachkotenhöhe / M.ü.M.

A / 19 Meter / 18.27 Meter / 12.30 Meter / 636.30 Meter ü. M.
B / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.10 Meter / 633.20 Meter ü. M.
C / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.30 Meter / 636.70 Meter ü. M.
D / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.10 Meter / 632.20 Meter ü. M.
E / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.30 Meter / 635.30 Meter ü. M.
F / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.10 Meter / 631.20 Meter ü. M.
G / 19 Meter / 18.27 Meter / 13.30 Meter / 634.30 Meter ü. M.
H / 35.75 Meter / 17.08 Meter / 10.20 Meter / 630.20 Meter ü. M.


Die Angaben zur Berechnung der Tabelle stammen aus der online Botschaft vom 04. 5. 2020, dem Erläuterungsbericht vom 10.8.2016 und dem Richtprojekt vom 20.6.2018.

Die alte Ueo / ein altes, nicht bewilligtes Projekt 

 

Die alte UeO ist zwar rechtskräftig, das untenstehende Projekt ist aber alt und nie bewilligt worden. Es stimmt zwar, dass nach alter UeO gebaut werden kann, es ist aber nicht anzunehmen, dass ein Investor dieses Projekt heute noch realisieren würde. Es entspricht nicht mehr den heutigen Vorstellungen.

Was ist eigentlich eine UeO? / 

 

Eine Überbauungsordnung (UeO) regelt detailliert die bauliche Gestaltung eines Areals. Sie besteht aus einem Überbauungsplan mit Vorschriften. Sie ergänzt die Grundordnung. Eine Überbauungsordnung durchläuft ein mehrstufiges Mitwirkungs- und Bewilligungsverfahren.

Die UeO regelt also die Dimensionen und Grundbedingungen, nach welchen geplant und gebaut werden darf. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns nicht nur mit dem Projekt, sondern mit Raumplanung.

«Wir sollten die Landschaft in die Stadt bringen und nicht umgekehrt» / sagen renommierte Architekten

 

Die Schweiz ist kleinräumig, deswegen müssen wir auch sorgfältiger mit dem Boden umgehen. Klar gefällt das nicht allen. Es ist einfacher, stets noch ein Stückchen einzuzonen, als das Vorhandene neu zu denken und zu verdichten.

(Quelle: Tages Anzeiger, 17. April 2020, Jacques Herzog, Architekturbüro Herzog & De Meuron, Basel)

«Künftige Bauten müssen Orte in ihrer Identität stärken / sagen junge Architekten

Ich freue mich über das Engagement in der Gemeinde und die wachsende Wertschätzung und Sensibilität gegenüber unserer Umwelt. Als Architekten interessieren wir uns für das Bauen doch sollte die Frage nach dem "wie" immer zuerst gestellt werden. Bestimmt nicht wie der Vorschlag es hier Vorsieht. Dem Vorschlag fehlt jeglicher Bezug zur bestehenden Dorfstruktur. Künftige Bauten müssen Orte in ihrer Identität stärken, nur so lässt sich kollektiv wieder Wert schöpfen, nur so kann erfolgreich verdichtet werden. (Nicola Toscano, Atelier Toscano Bern, Architekten ETH SIA)

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