Zukunftsmusik

Auf dem Barell-Gut in Oberhofen wollen wir eine Lebensgrundlage für die Zukunft schaffen.

Die Bevölkerung von Oberhofen hat am 13. Juni 2021 die UeO Barell-Gut abgelehnt und damit ein geplantes Richtprojekt verhindert. Auf der Grundlage der alten rechtsgültigen UeO plant die Eigentümerin - die Frutiger AG - aktuell ein neues Bauprojekt.

Der Verein Barell-Gut hat in der Vergangenheit massgeblich dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung von Oberhofen mit dem momentan noch grünen Grundstück im oberen Dorfteil befasst und sich aktiv und verantwortungsvoll einbringt. Wir haben die Frage gestellt: Wie soll sich unser Dorf in Zukunft entwickeln?

Natürlich kann die Eigentümerin auf der Basis der alten UeO neu planen und bauen. Rechtlich steht dem Vorhaben nichts im Weg. Doch macht es Sinn, eine engagierte Bevölkerung aussen vor zu lassen? Können wir es verantworten weiterhin unbekümmert Grünflächen zu versiegeln?

Die Realisierung eines Projekts, das nicht auf breite Akzeptanz stösst, ist weder im Interesse der Bevölkerung noch der Eigentümerin. Die Frutiger AG ist bereit konkrete Vorschläge des Vereins Barell-Gut in ihre Planung einzubeziehen. Wir setzen uns für ein Projekt ein, das wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig ist.

 

Handlungsoptionen für das Barell-Gut

Im Vorfeld zur Abstimmung haben wir verschiedene Handlungsoptionen ausgearbeitet. Als Verein favorisieren wir die Handlungsoption 3. Innerhalb der Rahmenbedinungen bietet die Option "Wohnraum und Lebensraum für alle" die beste Verhandlungsbasis und die breiteste Abdeckung unterschiedlicher Interessen.

1. Reserve für die nächste Generation

In Oberhofen stehen überdurchschnittlich viele Wohnungen leer. Es stellt sich die Frage ob überhaupt gebaut werden muss oder ob wir als Gemeinde das Land kaufen und als Reserve für kommende Generationen erhalten können. Das Barell-Gut kann zwischenzeitlich landwirtschaftlich genutzt werden oder aufgewertet werden.

 

Diese Option ist aus heutiger Sicht nicht finaziell gewinnbringend - sie ist langfristig wertvoll und ein Geschenk an unsere Kinder und Enkel.

2. Umzonen für mehr Biodiversität

Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit steht eine Umzonung im Vordergrund. Die bestehende Wiese ist landwirtschaftlich genutztes Weideland mit einer geringen Artenvielfalt. Mit einem Projekt zur Förderung der Biodiversität kann hier ein vielfältiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen werden. Natürliche Kreisläufe können geschlossen und einen wichtigen Beitrag zur Regeneration der Natur geleistet werden. Eine Erholungsnutzung mit Kinderspielplatz, Aufenthaltsmöglichkeiten (Schulen, Familien, Senioren...), Lehrpfad usw. wäre ebenfalls denkbar. Das Barell-Gut kann zu einem lebendigen Lernort und einem natürlichen Lebensraum umgestaltet werden.

Alle diese Funktionen können ohne Um- oder Auszonung erreicht werden, falls die Grundeigentümerin sich z.B. gegenüber der Gemeinde schriftlich verpflichten würde. Allerdings bedeutet das selbstverständlich eine finanzielle Einbusse - ein grosser Beitrag an die Natur und die nächste Generation.

3. Wohnraum und Lebensraum für alle

Steht "das Dorf" und bezahlbarer Wohnraum im Zentrum der Planung, kann hier ein Lebensraum für alle entstehen. Wenig neuen Wohnraum, insbesondere für Familien oder Mehrgenerationen (z.B. durch eine Wohnbaugenossenschaft). Der grösste Teil des Barell-Gut kann grün und öffentlich zugänglich bleiben. Die Qualität liegt hier in der Vernetzung, in der Interaktion von Mensch und Natur, im fliessenden Übergang von "Wohnen" zum "natürlichen Raum" und in der aktiven Dorfkultur.

Die Förderung der Biodiversität, Schulung und Sensibilisierung durch öffentlichen Erlebnisraum, Nutzung für Anbau von biologischem Obst und Gemüse zum lokalen Gebrauch, Verkaufsstelle für lokale Produkte, kleines Bistrot, Raum zur öffentlichen Nutzung, Kita, öffentlicher Platz, Einbindung sozialer Institutionen, sind Möglichkeiten, die sich aus dieser Idee weiterentwickeln lassen.

Diese Handlungsoption birgt in sich viele Möglichkeiten. Eine Aufteilung des Landes in verschiedene Zonen und Themenbereiche bietet sich an und sollte in der Planung einbezogen werden. Unterschiedliche Stakeholder (Verkäuferschaft, Gemeinde, Bevölkerung, Wohnbaugenossenschaft, Stiftungen, Institutionen...) könnten sich am Gesamtprojekt beteiligen und es gemeinsam tragen.

Diese Handlungsoption ist die realistischste Alternative. Sie ist ein Modell für gelebte Nachhaltigkeit im Siedlungsraum und könnte Vorbild für andere Gemeinden werden.

4. Nachhaltig bauen, wo Bedarf besteht

Wenn bauen, dann ökologisch-nachhaltig. Mit der Unterzeichnung der Agenda 2030 hat sich die Schweiz verpflichtet die Nachhaltigkeitsziele umzusetzen. Das gilt auch auf Gemeindeebene. Es gibt viele Möglichkeiten ökologisch-nachhaltig zu bauen (minimaler Energieverbrauch, Baubiologie, Mobilität ohne Privatautos...).

 

Auf der Grundlage der bestehenden UeO könnte auch ein Bauprojekt eingereicht werden, welches die zwischenzeitlich in Kraft getretenen Umweltvorschriften berücksichtigen müsste. Neu wäre aber zu fordern, dass die Räume zwischen den Gebäuden in erster Linie der gemeinsamen Nutzung durch die Bewohnerschaft geöffnet werden. Aus sozialen wie ökologischen Gründen müsste dabei unbedingt auf das berüchtigte „Abstandsgrün“ verzichtet werden, welches die Wohnblöcke seit den 1950 Jahren dominiert.

 

In bewusst gestalteten Grünzonen entstehen unterschiedlichste Aussenräume, die ökologisch-nachhaltig gestaltet und privat oder öffentlich genutzt werden können. Als erstes stellt sich jedoch immer die Frage nach der Notwendigkeit des Bauens. 

Erschaffe eine lokal-nachhaltige Zukunft mit deiner Gönnerschaft.